Fotografische Anti-Tipps

World Wide Web ist voll mit Tipps und Tricks mit denen man schnell an bessere Bilder gelangen solle. Diese „fotografischen Gebote“ werden immer aufs Neue geprädigt, ohne – so ist meine Vermutung – dass man darüber nur ansatzweise nachdenkt.

Dieser Beitrag soll ein Sammelsurium für solche Tipps und meiner Meinung dazu werden.

  1. Damit eine Portraitaufnahme schöner wirkt, soll eine Person vom Hintergrund durch eine offene Blende freigestellt werden. Durch den ruhigen Hintergrund wird die Aufmerksamkeit des Betrachters voll auf das Hauptmotiv gelenkt. Eine portraitierende Person in eine Umgebung einzuarbeiten ist sicherlich nicht einfach und zeugt vom gestallterischen Können. Mit dem „Freistelltrick“ geht man lediglich den einfachen 08/15 Weg. Das entstandene Bild unterscheidet sich dann nicht wirklich von Dreihundert Millionen Anderen.
  2. Runde Augenlichtreflexe von Oktoboxen und Schirmen sehen viel natürlicher aus als die, die von rechteckigen Softboxen produziert werden.

    Klar. In einem typischen Raum merkt man sofort, dass ziemlich alle Fenster eine runde Form haben ;-)

  3. Goldener Schnitt oder Drittelregel

    bedeuten gar nichts, wenn die Gesamtkomposition nicht beachtet wird. Dazu gehören Faktoren wie Gewichtung, Punkte der Aufmerksamkeit, Kontraste, Farben, Rythmus, etc.

  4. Wenn dir dein Bild nicht gefällt, dann warst du nicht nah genug dran! Den Spruch habe ich nie wirklich verstanden. Viel wichtiger ist meiner Meinung nach den richtigen Augenblick zu erwischen.
  5. Das Hauptmotiv sollte niemals in der Mitte eines Bildes platziert werden, weil das Bild dadurch uninteressant wirkt. Versuchen sie das Hauptmotiv in die Richtung einer der vier Ecken zu verschieben.

    Eine zusätzliche Spannung in der Bildkomposition ist oft der letzte Versuch ein langweiliges Bildes zu retten. Weitere Maßnamen dieser Art: ein Bild wird leicht gedreht oder „kreativ“ geschnitten.

Die Liste wird erweitert, sobald ich etwas Neues finde.

Zur Wahl eines Portraithintergrunds

Ein Studioanfänger wird früher oder später mit der Frage konfrontiert: Welchen Hintergrund soll ich nehmen? Denn eins ist sicher: die Wahl eines Hintergrunds beeinflusst entscheidend die Wirkung eines Portraits.

Zunächst kann ein Hintergrund unterstützend arbeiten. Für ein klassisches oder ein dramatisches lowkey Portrait wird ein dunkler Hintergrund gerne genommen. Ein romantisches Portrait kommt dagegen auf einem hellen Hintergrund am besten zur Geltung. Ein anderer Hintergrund kann durch Kontraste interessante Gegenüberstellung oder eine lustige Stimmung erzeugen. Oder man entscheidet sich für einen neutralen Hintergrund, um die Aufmerksamkeit des Betrachters voll auf das Hauptmotiv zu lenken.

belov-11.jpg Copyright (c), Sergey Belov

Bei der Wahl eines Hintergrunds soll Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt werden. Ich stelle hier vier typischen Alternativen vor.

Kartonhintergrund

Eine Kartonrolle ist eine beliebte Lösung, wenn man schnell einen homogenen Hintergrund aufbauen will. Sobald verschmutzt wird der Hintergrund einfach abgeschnitten. Insgesamt ist es eine einfache und praktische Lösung. Allerdings kann man behaupten, dass die Kartohintergründe wegen ihrem sterilen Aussehen relativ wenig Mehrwert für ein Portrait bieten.

Nicht immer soll das aber ein Nachteil sein. In der Fashion-Fotografie sind beispielsweise Kartonhintergründe in Farben weiß, grau oder schwarz sehr populär. Nicht weil sie besonders „cool“ sind, sondern weil sie sehr neutral wirken und somit die Aufmerksamkeit des Betrachters voll auf das Hauptmotiv – die Ware, die verkauft wird – lenken.

Stoffhintergründe

Ebenfalls sehr beliebt sind Stoffhintergründe. Im Unterschied zum Karton sind diese faltbar, waschbar und haben Struktur. Weiterhin weisen sie oft unterschiedliche Muster auf. Insgesamt wirkt ein Stoffhintergrund nicht so steril wie Karton. Somit ist ein Stoffhintergrund ein ideales Kandidat, wenn die Wirkung eines Portraits unterstreicht werden soll. Übrigens kann ein Stück Stoff nicht nur als Hintergrund, sondern auch als Dekorationselement eingesetzt werden.

Do-it yourself

Ein selbstgemachter Hintergrund ist sicherlich die kreativste und interessanteste, obwohl auch eine aufwendigere Möglichkeit. Dadurch dass Sie die freie Wahl bei der Gestaltung des Hintergrunds haben, können sie das Endergebnis gezielt bestimmen.

Copyright (c), Sergey Belov

Populär sind zwei Möglichkeiten:

  • Ihnen steht eine Wand zur Verfügung: diese kann dann bemalt, beklebt oder anders dekoriert werden.
  • Statt einer Wand werden die Spanplatten dekoriert. Der Vorteil: die Platten können ganz leicht verschoben oder entfernt werden. Weiterhin können diese sogar eigene Räumlichkeiten bilden.

Umgebung als Hintergrund

Kein Hintergrund kann der bessere Hintergrund werden. Denn eine gut gewählte Umgebung kann ein Portrait entscheidend bereichern.

Vergleichen Sie diese vier Bilder, die eine Malerin darstellen. Von diesen vier erscheint das erste Bild am langweiligsten und wirkt dazu noch ziemlich gestellt. Durch die Einbeziehung der Umgebung erzählen zwei nächste Bilder schon etwas mehr über sie. Das letzte Bild lässt sogar eine Geschichte entstehen.

In diesem Zusammenhang spricht man sehr oft von einem Umgebungsportrait (environmental portrait). Dieser stellt in der Regel eine Person in ihrer gewöhnlichen Wohn- oder Arbeitsumgebung dar. Das Portrait kann dadurch inhaltliche Tiefe erhalten oder sogar eine Geschichte entstehen lassen. Sehr bekannt für diese Art der Portraitfotografie ist Arnold Newman.

Fazit

Bei allen Überlegungen zur Wahl eines Portraithintergrunds soll eins nicht vergessen werden: ein Hintergrund spielt nur eine sekundäre Rolle. Er soll ein Portrait unterstützen und nicht zum Selbstzweck mutieren.

Belichtungsmesser im Studio

Mit diesem Artikel gehe ich ein kontroverses und oft unverstandenes Thema an — den Umgang mit einem Blitzbelichtungsmesser im Studio. Dieser Beitrag ergänzt meinen Artikel „Studioportrait für absolute Anfänger“ und orientiert sich ebenfalls an Fotografen, die ihre erste Versuche mit Studiolicht wagen.

Ein Blitzbelichtungsmesser (im Weiteren einfach Belichtungsmesser) kann Sie im Studio bei zwei Aufgaben unterstützen: Einrichtung der Beleuchtung und Finden der richtigen Belichtung. Wir fangen mit der Beleuchtung an. Die Zusammenhänge erläutere ich anhand der Lichtmessung. Bei grundlegenden Bedienungsfragen konsultieren Sie bitte das Handbuch Ihres Belichtungsmessers.

Referenzmessung

Das Einrichten des Lichts beginnen Sie mit dem Hauptlicht. Sehen Sie dazu Studioportrait für absolute Anfänger. Mit dem Belichtungsmesser messen Sie die Stärke des eingerichteten Hauptlichts. Platzieren Sie dazu den Belichtungsmesser am Gesicht der portraitierenden Person mit der Messkalotte Richtung Hauptlichtquelle. Achten Sie darauf, dass die Kalotte nicht vom Licht abgeschattet wird — passiert viel schneller und öfter als man denkt!

Referenzmessung

Nehmen Sie nun eine Messung vor. Angenommen der Belichtungsmesser zeigt Blende 11 an. Behalten Sie diese Zahl im Kopf — das ist Ihre Referenzmessung. Die Stärke aller anderen Lichtquellen wird relativ zu dieser Messung eingestellt.

Referenzmessung

Beleuchtungskontrast

Die Schaffung einer gewünschten Stimmung im Bild gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Lichtführung. Ein bestimmter Beleuchtungskontrast — das ist der Beleuchtungsunterschied von ausgeleuchteten und in Schatten liegenden Partien — trägt dazu entscheidend bei. Den Beleuchtungskontrast steuern Sie über die Stärke des Aufhelllichts. Hierbei sind einige Anhaltspunkte:

  • Schwacher Kontrast Die Schatten sind nur minimal zu erkennen. Das Aufhelllicht ist höchstens eine Blende schwächer als das Hauptlicht. In unserem Beispiel werden Sie das Aufhelllicht so einrichten, dass Sie die Blende 8 oder 9.5 am Motiv messen. Ein Highkey-Foto wäre ein typischer Einsatzbeispiel für diesen Beleuchtungskontrast. Auch Frauen- oder Kinderbilder, die romantisch wirken oder Zärtlichkeit vermitteln sollen, können von diesem Kontrast profitieren.
  • Normaler Kontrast Das Aufhelllicht ist eine bis zwei–zweieinhalb Blenden schwächer als das Hauptlicht. Für unsere Referenzmessung würde das bedeuten, dass die Stärke des Aufhelllichts etwa Blende 5.6 beträgt. Das resultierende Beleuchtungskontrast bietet neben einer guten Formmodellierung eine gute Schattenzeichnung. Die meisten Menschen sind mit diesem Beleuchtungskontrast sehr gut vertraut. Somit wäre sein Einsatzzweck sehr vielseitig: angefangen von Bewerbungsfotos bis zu Fashionfotografie. Um nur Einige zu nennen.
  • Starker oder dramatischer Kontrast Die Schatten sind sehr stark ausgeprägt. Sie richten das Aufhellicht so ein, dass es drei Blenden schwächer als das Hauptlicht ist. Mit diesem Kontrast bringen Sie Dramatik oder Unruhe ins Bild. Gut geeignet ist dieser Kontrast beispielsweise für Lowkey- oder Männerportraits.

Bei der Messung des Aufhelllichts gehen Sie genau so vor, wie sie das Hauptlicht gemessen haben. Sie platzieren den Belichtungsmesser am Modell und führen eine Messung Richtung Aufhelllicht durch. Anschließlich vergleichen Sie das Messergebnis mit Ihrer Referenzmessung und korrigieren die Stärke des Aufhelllichts.

Ein Punkt soll bei der Messung allerdings etwas genauer erleutert werden. Es existieren zwei Vorgehensweisen, wie Sie das Aufhellicht messen können. Bei der ersten Methode bleibt nur das Aufhelllicht während der Messung an. Alle weiteren Lichtquellen, insbesondere das Hauptlicht, werden ausgeschaltet. Somit stellt man sicher, dass die Messergebnisse von den anderen Lichtquellen nicht beeinträchtigt werden. Bei der zweiten Variante bleiben alle Lichtquellen an. Die Messung wird ebenfalls vom Modell Richtung Aufhelllicht durchgeführt. Allerdings wird je nach Belichtungsmesserkonstruktion die Kalotte versenkt (Sekonic) bzw. einen flachen Aufsatz angebracht (Minolta), so dass der Belichtungsmesser nur eine Lichtquelle – in diesem Fall das Aufhelllicht – „sieht“.

Aus- und eingefahrene Kalotte

Zusätzlich (oder wenn ihr Belichtungsmesser keinen flachen Aufsatz vorsieht) können Sie die Kalotte mit einer Hand von der Hauptlichtquelle abschatten.

Im Wesentlichen läuft es bei beiden Messmethoden auf Dasselbe hinaus. Persönlich verwende ich die zweite Methode, da es doch ein kleiner aber feiner Unterschied bleibt: Auch wenn Sie keine Lichtquelle für das Aufhellen verwenden, existiert das Aufhelllicht in Form von Resten des Hauptlichts, die von den Wänden, Boden, Decke und weiteren Gegenständen auf das Hauptmotiv zurückgeworfen werden. Betrachten Sie Gegenstände um Sie herum. Ihre im Schatten liegenden Partien sind nicht schwarz, sondern — trotz nur einer Hauptlichtquelle, eines Zimmerfensters oder einer Lampe — mehr oder minder aufgehellt. Ein Raum wird sozusagen vom „passiven“ Aufhelllicht durchflutet. Die Stärke dieses Aufhelllichts hängt im Wesentlichen von der Raumgröße und der Raumfarbe ab. Die zweite Messmethode berücksichtigt dieses Restlicht. Vielleicht stellen Sie während der Messung sogar fest, dass das „imaginäre“ Aufhelllicht für den gewünschten Beleuchtungskontrast gerade ausreicht.

Auch im Falle, wenn Sie für das Aufhellen keine Lichtquelle, sondern einen Aufhellreflektor verwenden, müssen Sie die Hauptlichtquelle während der Messung anschalten und somit auf die zweite Messmethode ausweichen. Die zweite Messmethode ist ebenfalls angesagt, wenn Sie nicht nur Blitz- sondern auch Umgebungslicht berücksichtigen möchten.

Messung des Aufhelllichts

Hintergrundlicht

Bei der Messung des Hintergrundlichts kontrollieren Sie den Beleuchtungskontrast zwischen Ihrer Referenzmessung und dem Licht, das auf den Hintergrund fällt. Bei der Messung platzieren Sie den Belichtungsmesser mit der aufgesetzten/ausgefahrenen Kalotte am Hintergrund. Der kleine Unterschied zur Messung des Aufhelllichts besteht hier darin, dass Sie nicht nur eine bestimmte (Hintergrund)Lichtquelle messen — vielleicht gibt es mehrere oder gar keine. Viel mehr sind Sie am Licht interessiert, das von allen möglichen Quellen auf dem Hintergrund landet. Deswegen wird hier kein flacher Aufsatz, sondern die (ausgefahrene) Kalotte verwendet.

Messung des Hintergrundlichts

Hier mal ein paar praktische Tipps für Hintergrundbeleuchtung:

  • um einen reinweißen Hintergrund zu erhalten, soll ein weißer Hintergrund ca. eineinhalb Blenden mehr Licht als ihre Referenzmessung erhalten. Kommt weniger Licht dran — erscheinen manche Stellen vielleicht grau. Bei mehr Licht werden Teile des Motivs „ausgefressen“. Sinnvollerweise soll den Hintergrund mit zwei Lichtquellen ausgeleuchtet werden, um eine gleichmässige Beleuchtung zu erhalten. Mit dem Belichtungsmesser können Sie die Gleichmässigkeit der Ausleuchtung an den verschiedenen Stellen schnell überprüfen.
  • ein grauer Hintergrund, der zwei–drei Blenden weniger Licht als das Hauptlicht bekommt, erscheint erfahrungsgemäß schwarz.
  • bei einem Lowkey-Bild kann der Hintergrund mit einem Lichtspot leicht aufgehellt werden. Richten Sie das Licht so ein, so dass die beleuchtete Stelle eine Blende weniger Licht als das Hauptmotiv bekommt. Hintergrundbereiche, die nicht beleuchtet sind, können zwei-drei Blenden weniger Licht erhalten.

Haarlicht

Wenn Sie das Haarlicht verwenden, messen Sie es genau so, wie das Aufhelllicht. Sie platzieren den Belichtungsmesser mit dem flachen Aufsatz am Kopf des Modells und messen in Richtung Haarlicht.

Für blonde Modells kann die Stärke des Haarlichts ruhig 1–1,5 Blenden weniger als die Referenzmessung betragen. Sonst riskieren Sie eine Überbelichtung bzw. das Haar wird zu starkt akzentuiert. Beim dunklen Haar kann das Haarlicht etwas stärker ausfallen – etwa genau so stark wie Ihre Referenzmessung. Wie auch bei anderen Lichtquellen, können Sie auch hier mit der Lichtstärke experimentieren.

Abfall der Lichtstärke messen

Die Gleichmässigkeit der Ausleuchtung können Sie natürlich nicht nur am Hintergrund, sondern an beliebigen Stellen prüfen. Wie ich schon hier erwähnt habe, fällt die Lichtintensität quadratisch mit der Entfernung ab. Je näher die Hauptlichtquelle zum Motiv ist, um so ausgeprägter wirkt der Lichtabfall an diesem Motiv. Mit dem Belichtungsmesser sind Sie in der Lage die Stärke des Abfalls zu messen und je nach Bedarf anzupassen. So können Sie beispielsweise bei einem Gruppenportrait den Abstand zwischen der Hauptlichtquelle und den portraitierenden Personen solange vergrößern, bis Sie an allen Gesichtern gleiche Lichtmenge messen. Oder Sie eintscheiden die Hände des Modells nicht so starkt zu betonen. Machen Sie Messungen am Stirn und den Händen des Modells und richten Sie das Hauptlicht so ein, dass der Lichtabfall wahrnehmnbar wird.

Belichtung

Nachdem die Beleuchtung feststeht, brauchen Sie nur noch eine Arbeitsblende zu finden, damit das Motiv korrekt belichtet wird. Platzieren Sie den Belichtungsmesser mit der aufgesetzten Kalotte am Gesicht des Modells Richtung Kamera und machen Sie eine Messung. Die angezeigte Blende stellen die Sie an der Kamera ein.

Auf eine Besonderheit möchte ich noch hinweisen, wenn die portraitierende Person in Profilansicht abgebildet wird. Wenn Sie in diesem Fall in Richtung Kamera messen und mit der gefundenen Arbeitsblende arbeiten, wird die zu der Kamera gewandte Kopfseite zwar korrekt belichtet, allerdings überbelichten Sie dabei das Gesicht. Der Belichtungsmesser berücksichtigt nur zum Teil das Hauptlicht, das von der Seite fällt. Im Falle, wo der Winkel zwischen der Hauptlichtquelle und der Kameraachse ca. 90° oder mehr beträgt, ist es sinnvoll die Kallotte zwischen der Hauplichtquelle und der Objektivachse auszurichten.

 

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